Es ist geschafft – alle meine Kisten sind in mein neues zu Hause übersiedelt. Mein alter Haushalt ist endgültig aufgelöst und steht nun verpackt in unzähligen Kisten in den noch leeren Räumen des neuen Hauses….
Das spiegelt für mich gerade die Novemberenergie wider. Für mich ist der November immer der Monat der Auflösung. Die Zeit, wo alles in der Natur seine Form verliert und die Grenzen aufgelöst werden. Die Blätter der Bäume sind losgelassen und die Farben sind aus der Landschaft verschwunden. Die blattlosen Baumkronen verschwimmen im dichten Grau, im Nebel, der alles in eine undurchsichtige Decke hüllt. Die Samen haben ihren Platz tief in der Erde gefunden, die Natur atmet aus.
Ja, die Novemberenergie kann sich durchaus herausfordernd anspüren, und doch finde ich auch gerade diese Zeit so besonders – wann sonst im Jahr ist das Formlose, das Auflösen aller Formen so stark spürbar!? Sie birgt den Neuanfang schon in sich, aber noch gut verborgen. Jeder Neuanfang beginnt in der Dunkelheit, sagt man. Und der November gilt seit jeher als der Beginn eines neuen Zyklus.
Diese Worte sage ich mir jetzt, wo ich vor dem Kistenberg stehe und nicht weiß, wo und wie ich am besten beginnen soll. Ich spüre, dass das, was jetzt in die Einzelbestandteile zerlegt vor mir liegt, sich wieder finden wird, in einer neuen Form. So nehme ich „Zyklus“ jedenfalls wahr – in der Natur zumindest: Zuerst das Werden, Wachsen, Entfalten und allmähliche Reifen, bis hin zum Höhepunkt, dann das Einfahren der Ernte, der Erntedank bis zum Abstieg, dem langsamen Vergehen, Auflösen, Zersetzen und Zerfallen bis es dann schließlich wieder Form annimmt und das Werden von Neuem beginnen kann. Ich bin schon sehr neugierig, was neu entstehen wird, sei es nun in der Natur, im neuen Zuhause oder beruflich. Es wird anders sein als vorher, das ist sicher, weil bei jedem weiteren Zyklus, bei jedem Neubeginn die Erkenntnisse des letzten miteinfließen. Jeder neue Zyklus hat das Potential, das Herz zu weiten.
Was ich bei dem Umzug auch lernen durfte, war, dass wirklich jede einzelne Phase davon wichtig war, ob ich sie nun leiden konnte oder nicht. Ich konnte keine beschleunigen oder gar überspringen. Und der Umzug hatte viele Phasen – die Zeit des Entrümpelns, die Zeit des Packens, die Zeit des Siedelns und Kisten Schleppens, oder auf der gefühlsmäßigen Ebene – das mich Finden lassen vom neuen zu Hause, die Zeit des Abschied Nehmens vom Alten, des Willkommen Heißens des Neuen… Also jeder Phase des Umzugs etwas abgewinnen können, jeder die volle Aufmerksamkeit schenken und vor allem auch die Zeit widmen, die sie braucht, war jedenfalls nicht immer so einfach.
Da ist die Natur mit ihren Zyklen so eine wunderbare Lehrmeisterin für mich. Ihre Zyklen faszinieren mich schon so lange – wie der Lauf der Jahreszeiten beispielsweise. Eine Jahreszeit folgt der nächsten, jede einzelne Jahreszeit ist sehr besonders in ihren Qualitäten, in ihrer Schönheit – aber jede ist gleichbedeutend, keine ist wichtiger oder weniger wichtig. Jede Phase in diesem Zyklus hat ihren Sinn, ihre Bedeutung und Berechtigung, ist notwendig, damit die darauffolgende überhaupt stattfinden kann. Wenn wir den Fluss der Jahreszeiten bewusst wahrnehmen, mit der jeweiligen Energie der Jahreszeit mitgehen und uns ihr anvertrauen, dann können wir uns tragen lassen von ihr. Sie trägt uns auch durch die herausfordernden Zeiten eines Umzugs.
Langsam langsam darf alles wieder Form annehmen, im außen und auch in mir. Ein neuer Zyklus beginnt – …..ein Same keimt. Wie oft sind wir der Same, der neu keimen muss – in einer neuen Beziehung, an einem neuen Arbeitsplatz, an einem neuen Wohnort. Der Kurzworkshop „Das Leben eines Samens“ nimmt dieses Thema auf – vielleicht hast du Zeit und Lust mitzumachen!
