Etwas ist merkbar ins Fließen gekommen in der Natur – es liegt in der Luft und stößt sanft eine Vorfreude an in mir….kannst du es auch spüren? Worauf ist deine Aufmerksamkeit gerade gerichtet? Meine liegt frühlingshungrig auf den Knospen :). Du hast sicher auch schon einmal die zarten grünen Spitzen bestaunt, die im Frühling ganz plötzlich aus den unscheinbaren braunen Knospen der Bäume und Sträucher hervorquellen und sich mit ungebremster Kraft entfalten. Ich liebe ihre wunderbare Vielfalt, die man entdeckt, sobald man genauer schaut. Was ich auch liebe ist, sie in Bezug zu mir zu setzen…
Was ich damit meine? Hast du schon mal hinein gespürt in eine Knospe!? Wie es sich anspürt, wenn sie so fest verschlossen ist und sich die braunen derben Knospenschuppen wie Festungsmauern schützend um sie legen. Vielleicht sogar noch mit einer Eisschicht rundherum, wie das heuer Mitte Jänner der Fall war, als alle Knospen und Zweige im Wald für einige Tage mit einer dicken Eisschicht umhüllt waren. Der ganze Wald wirkte als ob ein Zauberbann auf ihm liegen würde. Gläserne Knospen, sichtbar und doch verborgen, wie im Märchen von Dornröschens tiefem Schlaf.
Und dann, einige Wochen später, wie spürt es sich da an? – wenn sich plötzlich etwas regt in der Knospe, ganz sacht und leise zuerst, ein zartes Kribbeln, das immer stärker wird. Ein Aufrichten, Ausrichten, sich bereit machen für den großen Sprung, wenn das erste Grün, noch ganz durchscheinend, endlich das Licht der Welt erblickt und sich entfaltet.
Es macht mir große Freude, mich in verschiedene Naturaspekte, wie beispielsweise Knospen, hineinzuspüren und mich selbst darin zu entdecken. In mir ist so ganz selbstverständlich das „Bezugssystem Natur“ „eingebaut“. Ich finde mich mit all meinen Belangen, Prozessen in der Natur wieder.
Meine heurige Knospenbegegnung hatte den `Zweifel` zum Thema. Der Zweifel, der wieder einmal alles in mir in Frage stellte – er war sichtbar und spürbar für mich in der festen Hülle der Knospen. Sein klarer Auftrag ist es, ein Öffnen keinesfalls zuzulassen und jede Aktivität lahmzulegen, um mich vor möglichen Enttäuschungen zu bewahren. Dem Zweifel in der Schutzhülle der Knospe auf die Spur zu kommen, war sehr spannend und hat jedenfalls einiges in mir in Gang gesetzt.
Ich konnte tatsächlich die Dankbarkeit für genau diesen Schutz spüren – bewahrt sie doch die Knospen vor Winterkälte und Austrocknung (und mich vor enttäuschenden Erfahrungen). Danach war ein Perspektivenwechsel möglich und in mir war der Impuls, dem Zweifel eine andere, ganz neue Aufgabe anzubieten – natürlich eine, die ihm „angemessen“ ist, ebenbürtig und mindestens genauso wichtig: Statt Ausschau zu halten nach dem `Schlechten` und davor zu schützen, könnte er doch genauso gut Ausschau halten nach dem `Guten`. Und ganz weit werden dabei, so weit wie der Horizont und das Gute einladen, ihm sogar den Teppich ausrollen….das war jedenfalls mein Bild. Mit dem Guten meine ich Lebendigkeit, Leichtigkeit, Freude. Es dauert vielleicht noch ein bisschen, bis er seine neue Aufgabe so voll und ganz angenommen hat. Was dem Zweifel dabei zweifellos helfen wird, ist die Erkenntnis, dass mein Wert nicht von der Zustimmung durch andere abhängig ist. Eigentlich eh klar, aber es voll und ganz anzunehmen war tiefgreifend.
Er hat Gefallen gefunden an der Idee, dem Knospensprung beizuwohnen – dem Sprengen der Knospenhülle und das zarte Grün zu bewundern, das dann hervorlugt..….ja ich hab ihm richtig Appetit gemacht 🙂 und mir auch.
Falls du Lust hast, dich näher mit den Knospen zu beschäftigen, hier die Info zum Knospenworkshop „Knospen – ein weiteres Pflanzengeheimnis“
